Mein Caritas-Moment

Sammler

Vier Geistliche, sieben Straßen

Ich habe bei vier Geistlichen und in sieben Straßen gesammelt. Fragt mich mal einer der Geistlichen: "Na, wie ist es so ergangen?" - "Wenn ich mal in Rente bin, schreibe ich ein Buch übers Caritas-Sammeln."

Einige Beispiele:

Sagte mir eine Frau, sie freut sich immer, wenn ich meine Runde drehe. Sie hat das einmal gemacht und für ihre Kirche Kirchengeld gesammelt. Sie würde das nie mehr machen. Sie bewundert mich. "Ja", sage ich, "was macht man nicht alles, dass man mal in den Himmel kommt". "Na, da haben Sie was gesagt. Da müssten’s mal meine Tochter hör’n, die würde sie darüber richtig aufklären".

Ein Prediger von einer Sekte hat mehrmals gesagt: "Da gebe ich gerne, die Caritas tut was."

Ein Mädchen, ca. 12 Jahre, holte aus seiner engen Hose einen kleinen Beutel und gab den Inhalt mir: "Die Eltern sind nicht da, ich hätte gern mehr gegeben, aber ich hab nicht mehr." Inzwischen ist aus ihr eine Dame geworden und gibt reichlich.

Sagte ein Elektromeister in einem großen Betrieb: "Die Mutter ist jetzt nicht da, ich soll doch später kommen." Das mache ich nicht …. (die Mutter ist jung Witwe geworden und hat vier Kinder alleine großgezogen). Ähnliches kommt immer mal wieder vor, wenn ich die mittlere Generation antreffe: dass sie bei den alten Eltern läuten und selber verschwinden.

Ein Mann, der immer gebefreudig und freundlich war, sagte zu mir: "Aus ganz bestimmten Gründen geb ich für die Caritas nichts mehr her." Da war ich platt. Nach zwei Jahren probierte ich es wieder: Er gab wie immer.

Eine Familie konnte ich nie auslassen - wegen der Antworten. Schon wenn ich die Gartentür öffne, riecht es schon nach Reichtum. Die Frau. "Am Sonntag komme ich rüber, dann geb’s ich dem Pfarrer persönlich" ; "Ach Gott, jetzt hab‘ ich erst Weihnachten so viel gegeben". Und ihr Mann sagte nach einer Spende von einem Euro: "Brauchen's nicht reinschreiben", dann verlangte er die Liste doch, machte einen tiefen Seufzer und gab das nächste Mal das Doppelte und sagte dazu: "Und wer gibt mir was?"

So könnte ich noch lange fortfahren.

Das Sammeln war, solange ich am Bau arbeitete, fast eine Last. Als ich mich in Rente befand, war es eine Lust, und seit 10 Jahren, da ich in einer toten Wohnung lebe, ist es eine Notwendigkeit.
Der Körper ist verbraucht, nun gehe ich in Sammlerrente.

Sammler (82 Jahre)