Mein Caritas-Moment

Sammlerin

Erlebt ma allerhand

Beim Caritas-Sammeln erlebt ma allerhand,
a kloane Begebenheit gib i heit bekannt.
I bin zu am stattlichen Anwesen kumma,
vorm Haus hot grad a junger Mo sei neis Auto poliert,
und i hob denkt, daß der bestimmt was spendiert.
I hob mei Sprücherl aufgsagt,
er moant: "Mi brauchst gar net frogn,
weil i nia koa Geld ned hom kon."

J hob gsagt: "Des glaub i scho,
daß Sie nix mehr übrig hom,
denn so a scheens Auto kost an haufa Geld,
und daß i mi hoit nächstes Jahr wieder möid."

Da sagt er: "Ja, schau i vielleicht wia a Hungerleider aus?"
Langt in sei Hosentaschen und ziagt an 5er raus.
I hob scheinheilig gfragt, ob mi was rausgem soll,
er hot gmoant, daß i mi liaber schleicher soi.
Aber so grantig wia er mia dua hot, is er gar net gwen,
seine Augn hom glacht, des hob i ganz deitlich gseng!

Es kann natürlich a pasiern,
oaner tuat dir nix spendiern …
Du druckst auf’n Klingenknopf,
es schaut jemand zum Fenster raus …
du drogst die Sprücherl vor
und dann stehst und stehst und wartst,
ober die Tür geht net auf.

Dann host beim nächsten Haus a Glück,
des macht dein Frust wieder wett,
do fragt mi die ältere, einsame Dame,
ob i mit ihr a Haferl Tee trinken mecht
und ob i a bisserl Zeit für sie hätt.
"Ja, freilich sag i, des mach i gern."
Und die liabe Frau kann a bissl ihre Sorgen los wern.

Mir darn lustige Gschichten erzählen,
dann a bissl über unsere Politiker lästern,
oder über die Predigt von gestern (nix für unguat).
Dann dua i mei Spende in Empfang nemma,
die guate Frau sagt: "I gfrei mi scho, wenns wieder kemma."

Sammlerin (81 Jahre)
seit 30 Jahren Caritas-Sammlerin