Großes Vorbild

Stilla von Abenberg

Von wem reden Menschen auch noch lange nach seinem Tod? Es sind die Menschen, die schon zu Lebzeiten von sich reden gemacht haben durch ungewöhnliche Taten, bedeutende Erfindungen, großartige Kunstwerke. Sie fielen aus dem Rahmen durch ihre außergewöhnlichen Leistungen.

Kein Zitat, keine Überlieferung - und doch unvergessen

Doch heute wäre es unvorstellbar, dass ein Zeitgenosse in Erinnerung bliebe, von dem kein Zitat, kein gesicherter Werdegang und schon gar keine Bilder überliefert sind. Welche Strahlkraft muss ein Mensch besitzen, dem dies dennoch gelingt. Die selige Stilla, eine Tochter des Grafen von Abenberg, war wohl ein solcher Mensch. Sie lebte im 12. Jahrundert und starb wohl um das Jahr 1150. Schon kurz nach ihrem Tod setzte eine Wallfahrt zu ihrem Grab in Abenberg - in der von ihr gestifteten Kirche - ein. Erst 1897 wurde diese Verehrung offiziell vom Eichstätter Bischof anerkannt und 1927 vom Papst mit der Seligsprechung genehmigt.

Still, regsam oder beides?

Zwei scheinbar unterschiedliche Charaktereigenschaften werden der seligen Stilla zugeschrieben. Einerseits soll sie das Ordensgelübde abgelegt und gemeinsam mit drei Gefährtinnen zurückgezogen gelebt haben, andererseits gilt sie als das fränkische Pendant zur heiligen Elisabeth von Thüringen. Stilla von Abenberg habe den Bedürftigen geholfen. Sie "speiste, tränkte, pflegte und wartete wie immer eine Mutter ihre Kinder", heißt es in einer Chronik, die erst Jahrhunderte nach ihrem Tod verfasst wurde. 

Vielleicht erhielt die Grafentochter von Abenberg den Beinamen "die Stille", weil sie zurückgezogen im Gebet lebte? Oder weil sie nicht viele Worte machte, sondern lieber Taten sprechen ließ? "Stilla von Abenberg. Wohltäterin." So heißt es lapidar in einem Heiligenkalender. Waren es ihr Mitleid und ihre Barmherzigkeit, die sie bis heute unvergessen machen? Oder sind es äußere Dinge wie ihre Gebeine in der Kirche St. Peter in Abenberg und die Wallfahrt zu ihrem Grab?

Faszination und Aufforderung

Sicher ist, dass von ihr etwas ausging, das Menschen zu allen Zeiten in Bann gezogen hat:
Eine Scheu, sich selbst zu wichtig zu nehmen.
Eine Zurückhaltung, das eigene Tun groß hinauszuposaunen.
Eine Souveränität, die nicht den Beifall der Menge braucht.
Ein Geist, der lauter und ohne Hintergedanken das Gute tut und es damit bewenden lässt.

In diesem Sinne ist die selige Stilla eine provozierende Anfrage an die Caritas heute.