Porträt

Gründer

Dr. Joseph Seitz

Pfarrer Dr. Joseph Seitz war ein Priester mit ungewöhnlichem Weitblick und großer Tatkraft. 1876 in Dietfurt geboren wurde er 1901 zum Priester geweiht. Sechs Jahre später erhielt er im Jahr 1907 die Pfarrstelle in Wachenzell. Neben seinen zahlreichen Aktivitäten war Pfarrer Seitz die Verbesserung der Landkrankenpflege ein großes Anliegen. Mit der Gründung des Caritasverbandes erhoffte er sich die notwendigen Strukturen, um diese flächendeckend organisieren zu können. Im Alter von nur 48 Jahren verstarb er völlig überraschend am 29. August 1924. Ein Martel an seinem Sterbeort in der Lüften erinnert bis heute diese außergewöhnliche Persönlichkeit.

 

Lebensdaten

31. Mai 1876: geboren in Dietfurt
14. Juni 1901: Priesterweihe
4. Juli 1907: Pfarrer von Wachenzell
+ 29. August 1924: gestorben mit 48 Jahren an einem Freitag gegen 15.00 Uhr auf der Lüftenstraße

 

Ein Porträt aus Nachrufen in der Eichstätter Volkszeitung / Eichstätter Kurier vom 30.08.1924, 03.9.1924, dem Protokollbuch und dem Pastoralblatt.

"Im Jahre 1901 zum Priester geweiht, arbeitete Seitz zuerst als Kooperator in Velburg, als Provisor in Lengenfeld und Kaplan in Schwabach. Von 1903 bis 1905 war er Assistent im Bischöflichen Seminar, wo er sich um die Ausgestaltung der thomasianischen Akademie und die Seminarverwaltung große Verdienste erwarb. 1905 bis 1907 wirkte er als Kooperator bei St. Walburg in Eichstätt und wurde hier so recht der Freund der Arbeiter und der Arbeiterorganisationen. Stets für Fortbildung begeistert, verlegte er sich in dieser Zeit auf weitere Studien und promovierte mit einer trefflichen Schrift über die Verehrung des heiligen Josef als Doktor der Theologie an der Universität München. Seit 1907 (…) [war] er der Pfarrei Wachenzell Führer und Hirte gewesen, hat aber stets seine außerordentliche Arbeitskraft und sein seelsorgerisches Talent in der Dienst der ganzen Diözese und der Kirche gestellt."

1907: Pfarrer von Wachenzell

In Pfarrei Wachenzell setzte Pfarrer Seitz umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an der Pfarrkirche, der Filialkirche Sornhüll und dem Pfarrhaus um. In Wachenzell beispielsweise ließ er das Mauerwerk, das Dach, den Kirchturm und den Pflasterbelag der Kirche erneuern. Außerdem beschaffte er ein neues Geläut, einen eisernen Glockenstuhl und eine neue Turmuhr. Im Inneren schufen verschiedene Kunstmaler eine neue Innendekoration. Außerdem gab er Messgewänder und Fahnen in Auftrag. Den überwiegenden Teil seiner Baumaßnahmen konnte er durch Eigenmittel der Pfarrei und große Privatspenden finanzieren.

Weitere Aktivitäten von Pfarrer Seitz, geschildert in einem zeitnössischen Bericht

"Für alle Fragen der modernen Seelsorge hatte er ein scharfes Auge, ein weites Herz und eine offene Hand (…). Ihm verdanken wir die Einführung der ambulanten Krankenpflege durch eine Schwester des 3. Ordens auf dem Berge (…).

Alle für seine Pfarrei geeigneten Verein pflegte er mit ganzer Hingabe: den Preßverein, Burschenverein, die Elternvereinigung u.a., dabei vergaß er aber nie die übrigen Stände und das Große und Ganze, das religiöse Innenleben der Gemeinde, das er durch Wort und Tat, Missionen und Konferenzen stets vertiefte (…).

Vor allem war es Dr. Seitz gegeben, im Kreise der Geistlichen anzuregen und zu fördern, hier als Beichtvater, dort im Dienste der Organisation (…). Durch seine Initiative und Mitarbeit erwachte der Verein der Weltpriestermissionäre zu neuem Leben, und er selbst hat sich an zahlreichen Volksmissionen als eifriger Prediger und beliebter Beichtvater beteiligt (…). Er stand an der Spitze der eucharistischen Bewegung, die den Eichstättern (…) [1922] den glänzenden eucharistischen Kongreß schenkte (…).

Er war die Seele der Unio apostolica, der apostolischen Priestervereinigung, die so oft im Kapuzinerkloster in Eichstätt vertraute Aussprache hielt (…). Er leitete als Vorsitzender den Priestermissionsbund, dessen Aufgabe es ist, den Gedanken der Heidenmission immer tiefer im Klerus und durch ihn im gläubigen Volk zu verankern. In dieser Eigenschaft veranstaltete er (…) am 4. und 5. Aug. [1924] einen Missionskurs in Neumarkt. i. O., der 140 Priester vereinigte und zu einem wahren Missionsfest wurde (…).

Und zu guter Letzt war er bereit auf die schon überlasteten Schultern auch noch die erwähnte Exerzitienbewegung noch sich aufzuladen und allen alles zu werden. Kein Wunder, daß der hochwürdigste Herr Bischof den gelehrten und erfahrenen Priester für den größten und wichtigsten Seelsorgsposten in unserer Diözese - in Ingolstadt - in Aussicht nahm und für die Zukunft zu noch weiteren verantwortungsvollen und ehrenden Aufgaben bestimmen wollte (…)."

+ 29. August 1924: gestorben mit 48 Jahren, Freitag gegen 15.00 Uhr auf der Lüftenstraße

Die Nachricht vom plötzlichen Tod des Wachenzeller Pfarrers, Dr. Joseph Seitz, verbreitete sich in Windeseile in der gesamten Diözese. Allen war bewusst, dass sein jähes Ableben "für die Organisation der christlichen Liebestätigkeit einen unersetzlichen Verlust" (Protokollbuch) bedeutete.

"Die Beerdigung der H.H. Pfarrers Dr. Seitz in Wachenzell gestaltete sich zu einer spontanen Kundgebung allgemeiner Teilnahme und Liebe. Aus weiter Ferne reisten außerordentlich viele Trauergäste nach Wachenzell an, so dass die Eichstätter Postverwaltung neben dem fahrplanmäßigen Kraftwagenverkehr noch ein zweites Postauto mit Anhängewagen für Hin- und Rückfahrt zur Verfügung stellen musste. Beim Trauergottesdienst nahmen allein 75 Geistliche der Diözese teil."

Die Eichstätter Volkszeitung/Eichstätter Kurier vom 3. September 1924 würdigt seine Lebensleistung:

"Er ist in letzter Linie der eigentliche Begründer des Diözesan-Caritasverbandes, da er zusammen mit H. Domkapitular Vogt die Vorarbeiten zur Gründungsversammlung betrieb u zu gutem Ergebnis förderte, wie er auch seither in besonderer Weise der Inspirator und umsichtige Vorreiter auf dem Felde der Caritas war u. so dem Verbande ein Werkzeug in der Hand der göttlichen Vorsehung wurde. Ihm ist ein ehrendes dankbares Andenken in der Geschichte des Verbandes sicher."