Jubiläumsfahrt

Busreise nach Thüringen

Auf den Spuren der hl. Elisabeth

Mit plastischen Schilderungen brachte die Historikerin Dr. Anne Müller der Eichstätter Pilgergruppen die Lebensumstände der Heiligen Elisabeth näher. Dem geistlichen Leiter Domvikar Reinhard Kürzinger gelang es, mit wertvollen spirituellen Impulsen über das Wirken der Heiligen eine Brücke in die Gegenwart und in das Leben jedes einzelnen zu schlagen.

Naumburger Dom

Erstes Ziel der Reise war der Naumburger Dom, der erst vor wenigen Wochen in die Liste der Welterbestätten aufgenommen wurde. Zentrum der Besichtigung war die sogenannte Elisabethenkapelle mit der wohl ältesten bildlichen Darstellung der Heiligen in Stein. Seit 2007 bilden zudem drei moderne Glasfenster des zeitgenössischen Künstlers Neo Rauch einen wirkungsvollen Kontrast zu dem gotischen Kirchenraum und stimmen die Kapelle in warmes stimmungsvolles Rubinrot. "Die Glasfenster waren nicht unumstritten", erzählte Matthias Ludwig, Mitarbeiter im Domstiftsarchiv. Heute sei die Stiftung aber sehr stolz darauf, diesen berühmten Künstler für diese Arbeit gewonnen zu haben.

 

Neuenburg bei Freyburg

Zweite Station war das Schloss Neuenburg bei Freyburg, in der sich mit der um 1170/75 entstandenen Doppelkapelle ein architektonisches Kleinod befindet. Die Doppelkapelle besteht aus zwei übereinander liegenden Sakralräumen, die durch eine Öffnung akustisch miteinander verbunden sind. Die herrschaftliche Oberkapelle ist geprägt von den um 1220 durch das Landgrafenpaar Ludwig IV. und Elisabeth von Thüringen veranlassten Umbaumaßnahmen. Zum Abschluss der Führung durch das Museum erhielt die Reisegruppe die Erlaubnis, die Doppelkapelle für eine kurze Andacht zu nutzen. Das Abschlusslied, das Domvikar Kürzinger gemeinsam mit den Teilnehmern anstimmte, hinterließ bei den Pilgern einen überwältigenden akustischen Eindruck.

Sektkellerei Rotkäppchen

Auch die Geselligkeit sollte bei der Jubiläumsfahrt der Mitarbeitenden nicht zu kurz kommen. Deshalb besuchte die Gruppe die Sektkellerei "Rotkäppchen". "Die Geschichte der Kelterei gilt als die Erfolgsgeschichte ostdeutscher Produkte schlechthin", meinte eine Mitarbeiterin der Sektkellerei. "Denn obwohl das Produkt seit über 100 Jahren zur ostdeutschen Kultur zählt, lag die Produktion nach der Wende vollständig darnieder." Die damals produzierten 40.000 Flaschen schienen unverkäuflich. "Nur durch den Einsatz der Mitarbeiter, die die Sektflaschen in ihre Auto luden und aus dem Kofferraum heraus verkauften, gelang es die Produktion wieder anzukurbeln". Auch die Eichstätter Pilgergruppe konnte sich bei einer Verkostung von der Qualität der Kelterei überzeugen.

Evangelische Bildungsstätte "Zinzendorfhaus"

Sich wohlfühlen hieß es in der evangelischen Bildungsstätte "Zinzendorfhaus" in Neudietendorf. Der gemütliche Innenhof und die weitflächige Gartenanlage luden die Caritas-Gruppe gleichermaßen zum Ausruhen und zur Geselligkeit ein. Ein Schnippchen schlug den Wallfahrern lediglich der Brunnen vor dem Haus. Just in dem Moment, als sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Foto aufstellen wollten, begann sich der Brunnen zu füllen. Einige nahmen die nasse Füße trotzdem gerne in Kauf.

Wartburg und Elisabeth-Mosaiken

Der Höhepunkt des zweiten Tages war die Wartburg, die etwa 220 Meter über der Stadt Eisenach liegt. Bei herrlichsten Wetter konnte die Reisegruppe den sagenumwobenen Ausspruch des Grafen Ludwig aus dem 12. Jahrhundert gut nachvollziehen: "Wart, Berg, du sollst mir eine Burg werden!" Die Reisegruppe erfuhr, dass die Burg wie kaum eine andere in Deutschland mit der deutschen Geschichte verbunden ist. Als Stammburg des einflussreichen Geschlechts der Ludowinger, dem Elisabeth durch ihre Heirat angehörte, war sie eine wichtige Herrschaftsresidenz. Auf der Wartburg fand zudem im 12. Jahrhundert der legendäre "Sängerkrieg" statt, den Richard Wagner in seinem "Tannhäuser" musikalisch verewigte. Und nicht zuletzt versteckte sich Luther von Mai 1521 bis März 1522 als "Junker Jörg" auf der Wartburg und übersetzte in nur zehn Wochen die Bibel. Besonders beeindruckte die Reisegruppe die Mosaiken und Fresken mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth. Sie entstanden im 19. Jahrhundert, als die inzwischen verfallene Wartburg in historisierender Form renoviert und wiederaufgebaut wurde. 

Liborius-Kapelle bei Creuzburg

Die Elisabeth-Fresken der Liborius-Kapelle verleitete die Reisegruppe zu einem kurzen spontanen Abstecher in die spätmittelalterliche Kapelle. Gemeinsam mit der 1223 errichteten steinernen Brücke über die Werra stellt die Kapelle ein einzigartiges Bau-Ensemble dar. Diese Brücke war ein Geschenk von Ludwig von Thüringen für Elisabeth anlässlich der Geburt ihres Sohnes Hermann. Die Waldmalereien, die in der Reformationszeit übermalt, in den 1930er Jahren wiederentdeckt und 2007 aufwändig restauriert worden waren, zeigen neben Szenen aus der Bibel auch einen Bilderzyklus aus dem Leben der Heiligen Elisabeth.

Creuzburg

Beim Eintreffen auf der Creuzburg konnte sich die Eichstätter Reisegruppe davon überzeugen, dass die Burg nicht nur der liebste Aufenthaltsort der Heiligen Elisabeth war, sondern sie auch noch heute gerne für Veranstaltungen genutzt wird. Drei Brautpaare ließen sich an diesem Samstagnachmittag im Innenhof der Burg standesamtlich trauen. Auf der Creuzburg besuchten die Eichstätter die Kemenate der heiligen Elisabeth. Diese war nicht nur der Geburtsort ihres Sohnes Hermann, sondern auch dessen Sterbeort. Dieser starb im Alter von nur 16 Jahren auf der Creuzburg wohl an den Folgen einer Vergiftung.

Erfurt

Zum Ausklang des Tages erkundeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Stadtplänen und einigen Kurzinformationen auf eigene Faust die Landeshauptstadt Thüringens. Ein gemeinsames Essen in der Traditionsgaststätte "Feuerkugel" an der Krämerbrücke rundete den Besuch in Erfurt ab.

Gotha

Als städtebauliches Kleinod entpuppte sich die Stadt Gotha. Die ehemalige Residenzstadt der Wettiner verfügt über eine ausgedehnte Schlossanlage und einen gut gepflegten englischen Landschaftspark. "Die Stadt Gotha macht deutlich, welchen Stellenwert und Einfluss die Herrscherhäuser Mitteldeutschlands über Jahrhunderte lang in der europäischen Politik innehielten", erklärte die Stadtführerin Eleonare Voll.

Armenhospital und Madalenenkapelle

Einen besinnlichen Abschluss fand der Besuch Gothas in der Magdalenenkapelle des Armenhospitals. Dieses war 1223 von Elisabeth und ihrem Mann Ludwig gegründet und mit reichlich Besitz ausgestattet worden."Es ist eine schöne Fügung, dass das Gebäude seit 800 Jahren stets sozialen Zwecken gedient hat", meinte die Stadtführerin. Im 18. Jahrhundert wurde das Armenhospital mit Kapelle neu im Barockstil errichtet.

In der Magdalenenkapelle, die normalerweise nicht frei zugänglich ist, feierte die Pilgergruppe ihren Sonntagsgottesdienst. Am Beispiel der heiligen Elisabeth gab Domvikar Kürzinger den Teilnehmern drei Ratschläge mit auf den Weg: "Achtet auf Euer Gesicht!", sagte er. Ein wichtiges Wort der heiligen Elisabeth sei, dass man die Menschen froh machen müsse. "Gehen Sie mit einem Lächeln auf die Menschen zu - es wird ihnen zurückgegeben." Der zweite Ratschlag war: "Achtet auf Eure Hände!" Mit den Händen könnte man viel Gutes tun, aber auch vieles niederreißen, niederschlagen oder abweisen. Der dritte Ratschlag war: "Achtet auf Eure Füße!" Die heilige Elisabeth habe nicht nur für die Armen gespendet, wie es damals für Reiche üblich war, sondern sei in den Graben der Wartburg zu den Notleidenden hinabgestiegen. "Auch wir sollen nach dem Beispiel der Heiligen auf die Menschen, aufeinander zugehen", mahnte der Domvikar in seiner Predigt.

Sülzenbrücken

Rätselraten war angesagt, als der Bus in der Ortschaft Sülzenbürgen nahe Gotha Station machte. Reiseleiterin Dr. Anne Müller führte die Gruppe zur evangelischen St. Wiperti-Kirche. Ziel dieser kurzen Abstecher war allerdings nicht die "Luther-Eiche", die zentral im Friedhof steht, sondern der Ort selbst. Müller erklärte, dass an dieser Stelle am 21. Oktober 741 der heilige Willibald von Bonifatius zum Bischof von Eichstätt ernannt wurde.

Glasbläserei in Lauscha

Einen geselligen Abschluss fand die Fahrt mit einem Besuch der Glasbläserei in Lauscha. Die Teilnehmer der Fahrt konnten der Glasbläserin beim Arbeiten zuschauen und im Werkverkauf nach lokalen Mitbringsel stöbern.